texthafen - Spracharbeiten

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1967
Als jüngstes von fünf Kindern komme ich auf die Welt. Es folgen eine glückliche Kindheit und Adoleszenz ohne besondere Vorkommnisse. Tonbandaufnahmen belegen, dass meine drei älteren Brüder hinter dem Rücken der Erziehungsberechtigten (damals hiess das noch schlicht: Eltern) versuchen, dem kleinen Ruthli erste Fluchwörter beizubringen. Das Komplott wird aufgedeckt und der Spracherwerb vorerst auf normale Bahnen gelenkt.

Aus- und Weiterbildung
1974 – 1980: Primarschule in Zürich
1980 – 1987: Neusprachliches Gymnasium, Maturität Typus D
1988 – 1996: Studium der englischen Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität Zürich (1. Nebenfach: spanische Literaturwissenschaft, 2. Nebenfach: Publizistikwissenschaft)
Lizentiatsarbeit in amerikanischer Literatur: «The Death Motif in the Works of Ernest Hemingway»
1999 – 2006: Diverse Weiterbildungen am MAZ (Medienausbildungszentrum) Luzern

Sprachen
Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Russisch, Portugiesisch, ein paar Brocken Japanisch

Hafenarbeiten
1987 – 1994
«Access All Areas»: Als «Dressing Room Girl» beim Konzertveranstalter Good News mache ich Künstlerbetreuung an rund 150 Hallenkonzerten und 25 Open Airs. Ich schleppe Sofas, lege Teppichboden, putze Spiegel, arrangiere Blumen und platziere Früchtekörbe. Ich erfülle praktisch jeden Wunsch und richte den Stars die gute Stube ein. Zudem wird fortgesetzt, was im Vorschulalter ein abruptes Ende genommen hatte: Ich lerne fluchen, und zwar mehrsprachig.

Ab 1988
Erste Schritte als mehrsprachige Texterin (Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch); Broschüren, Flyer, CD-Booklets für die diversen Projekte meines Mannes und Lieblingsgitarristen Marcel Ege (Eos Guitar Quartet, Duo Dambrine-Ege etc.).

1993 – 1998
Gründung und Aufbau der Firma «Encuentro Productions» zusammen mit meinem Mann und zwei weiteren Partnern. Produktion und weltweiter Vertrieb der audiovisuellen Lernmethode «La Guitarra Flamenca» (Video mit Begleitbuch). Ich schreibe die Begleitbuchtexte in Deutsch, Englisch und Spanisch. Ausserdem: Produktionsplanung, Filmaufnahmen in Spanien und der Schweiz, Künstlerbetreuung, Administration und journalistische Begleitung der verschiedenen Projekte.

1994 – 2000
Teilzeitsekretärin und Übersetzerin bei einer Wirtschaftskanzlei in Zürich. Hier sind meine Fluchkenntnisse nicht erwünscht, dafür umso mehr meine Mehrsprachigkeit, mein Ordnungs- und Pflichtbewusstsein. Hier erfahre ich alles über Diskretion, und darüber, wie man Akten anlegt und darin Ordnung hält und wie man Klienten empfängt. Schliesslich lerne ich auch, wie man Texte schreibt, die keiner auf Anhieb versteht – kurz: Ich setze mich intensiv auseinander mit dem, was Juristen gemeinhin für gutes Deutsch halten. Und ich übersetze das auch gerne auf Englisch und Spanisch und wieder zurück.

1997 – 2000
Freie Mitarbeiterin beim «Flamenco International Magazine» in London
Freie Mitarbeiterin bei «Anda», einem deutschen Flamencomagazin

2000 – 2006
Redaktorin und Blattmacherin beim Bulletin, dem Kundenmagazin der Credit Suisse. Von unzähligen Reorganisationen, Neuaufstellungen, Wechsel der Business Unit (und was es sonst noch alles gibt im Mikrokosmos einer Grossbank) lasse ich mich nicht beeindrucken und bin massgeblich daran beteiligt, dass das Bulletin eines der besten Kundenmagazine im deutschsprachigen Raum wird und auch bleibt. Mehrfache Auszeichnungen mit dem Preis für «Best Corporate Publishing» belohnen die harte Arbeit. Als verantwortliche Redaktorin für die Rubrik «Sponsoring» sorge ich zudem dafür, dass die Kultur in der Finanzwelt nicht zu kurz kommt.

April 2006
Ich erhalte beim «Swiss Text Award» Silber in der Kategorie «Senior Texter».


Oktober 2006
Ich will meinen Traum, Tolstoi im Original lesen zu können, verwirklichen und beginne, an der Uni Zürich Russisch zu studieren.


Juni 2007
Köln: Bulletin 3.06 mit dem Schwerpunkt «Männer» war das letzte Heft, für das ich bei der Credit Suisse verantwortlich war. Diese Nummer holt die Goldmedaille im Wettbewerb «Best of Corporate Publishing».

Juni/Juli 2007
Vier Wochen an der Staatlichen Universität von St. Petersburg: Ich erhalte tiefe Einblicke in die russische Grammatik und den russischen Alltag fernab von Goldkuppeln und Matrjoschkas. Und ich lerne ein oder zwei russische Fluchwörter.


August bis Oktober 2009

Mehrwöchiger Aufenthalt in Brasilien und Buenos Aires. Dschungelerlebnisse in Stadt und Land.

Juli 2010
Im Russischen einigermassen sattelfest nach 8 Semestern (und der Originallektüre von Dostojewskis «Spieler»), bin ich bereit, mein Portugiesisch, an dem ich 1995, in den letzten Zügen meines Studiums, zum ersten Mal geschnuppert hatte, wieder aufzupolieren. Bei meiner nächsten Brasilienreise möchte ich nicht mehr mein lustiges «Portuñol» zu Markte tragen müssen.

 

Foto: Cédric Widmer